Ohne Freiheit wollte ich in diesem Land nicht mehr leben – ein DDR-Zeitzeuge

Ich wollte mit 19 Jahren raus aus diesem System. Ich wollte in diesem Staat nicht mehr leben“ – so eindringlich formulierte Herr Mike Mutterlose am 28. Januar 2026 an der Hochtaunusschule Oberursel das Motiv seiner „Republikflucht“ im Jahre 1988 – nur etwa ein Jahr vor dem Fall der Berliner Mauer, den damals freilich noch niemand vorhersehen konnte.

Es waren viele Fragen, welche die knapp zwanzig überwiegend 19- bis 20-jährigen Zuhörerinnen und Zuhörer an den Zeitzeugen hatten, und er beantwortete alle mit einer bewundernswerten Anschaulichkeit, Geduld und Aufrichtigkeit. Sein Anliegen wurde ebenfalls deutlich – er will, dass junge Menschen von heute aus der DDR-Geschichte lernen können, die für sie sonst ein fernes Kapitel im Geschichtsbuch zu werden droht – fast vier Jahrzehnte nach Untergang des zweiten deutschen Staates.

Herr Mutterlose, Jahrgang 1968, wuchs in der DDR auf und hat 1988/1989 als junger Mann elf Monate in einem Stasi-Gefängnis zubringen müssen – unter erschwerten Bedingungen, die sich heutige Abiturienten gar nicht vorstellen, mit Isolationshaft in einer fensterlosen Zelle, stundenlangen, erbarmungslosen Verhören, massiven Drohungen und Erpressungen, kurzum psychische Folter. Verurteilt wegen „Republikflucht“, wurde er schließlich von der Bundesrepublik Deutschland im Sommer 1989, wenige Monate vor dem Mauerfall freigekauft und durfte in den Westen.

Dass sich dieses Unrecht und diese Unfreiheit nie wiederholen und dass sie nie in Vergessenheit geraten werden, hat sich Mike Mutterlose zum Lebensmotto gemacht und als Zeitzeuge schon zahlreiche Schulen besucht, um den Jugendlichen über seine Erlebnisse zu berichten, sich ihren Fragen zu stellen und mit ihnen zu diskutieren. Und die anwesenden Schülerinnen und Schüler der 13. Klasse des Beruflichen Gymnasiums der Hochtaunusschule Oberursel waren sichtlich beeindruckt von dem Zeitzeugen und seinem Bericht über die Zeit im Stasi-Gefängnis.

Die rundum gelungene Veranstaltung traf auf eine sehr positive Resonanz bei allen Beteiligten. Da verwundert es nicht, dass eine Fortsetzung im nächsten Jahr bereits beschlossene Sache ist. Dem Zeitzeugen Herrn Mutterlose hat die Veranstaltung sehr gut gefallen und er lobte im Nachgang die angenehme Veranstaltungsatmosphäre, die rege und lebendige Diskussion und auch die sehr gute inhaltliche Vorbereitung der beteiligten Schülerinnen und Schüler im Geschichtsunterricht an der Hochtaunusschule Oberursel.

Die Hochtaunusschule dankt dem Zeitzeugen Herrn Mutterlose für sein beispielhaftes Engagement. Und auch im nächsten Jahr wird wieder ein neuer Abiturjahrgang sich auf ein Zeitzeugengespräch freuen dürfen, das Zeitgeschichte aus erster Hand erfahrbar macht.

Gruppenfoto mit Herr Mike Mutterlose (rechts), dem Geschichtslehrer Dr. Michael Müller (links) und einigen der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler der Klasse 13BG