Elektromobilität gilt zu Recht als Zukunftstechnologie allerersten Ranges, und angesichts von Diesel-Skandal und Klimawandel denken immer mehr Menschen darüber nach, ob ihr nächstes Auto nicht vielleicht ein emissionsfreies E-Auto sein wird?

Zwar sind bis zum definitiven Durchbruch dieser Technologie noch eine ganze Reihe technischer Probleme zu lösen - angefangen von der mangelhaften Alltagstauglichkeit heutiger Batteriesysteme mit ihrer zu geringen Ladekapazität und der dadurch bedingten ungenügenden Reichweite pro Ladeintervall bis hin zu dem völlig unzureichenden Netz an Ladestationen außerhalb großer Städte.  Aber es kann kein Zweifel daran bestehen, dass der E-Mobilität die Zukunft gehört. Grund genug, diese Schlüsseltechnologie von morgen auch zu einem Thema der beruflichen Bildung von heute zu machen. Gesagt – getan. Und so wurde aus dieser Idee ein faszinierendes Projekt bei der Projektwoche der Hochtaunusschule 2018, an welchem Auszubildende der Industrie-und Zerspanungsmechaniker-Klassen 10BMI/10BMZ und 11BMI/11BMZ zusammen mit ihrem Fachlehrer Norbert Wissenbach mit Unterstützung des Kollegen Christoph Hack teilnahmen und dieses Projekt mit großem Enthusiasmus und beachtlichem Erfolg auf die Beine stellten. Neben der E-Mobilität wurde auch Elemente konventioneller Mobilität, d.h. Verbrennungsmotoren verwendet, so dass die beteiligten Schülerinnen und Schüler die Thematik auf einer denkbar breiten Basis angehen konnten.
Insgesamt konnten über 50 Auszubildende der Industriemechaniker   und  Zerspanungsmechaniker im ersten und zweiten Lehrjahr unter besonderer Beteiligung der Firmen PIV-DANA, Rolls-Royce und Magna Powertrain an diesem Projekt teilnehmen. Besonderen Dank gilt dabei der Firma Rolls-Royce und PIV DANA, die neben den zweiten Lehrjahren der Industrie- und Zerspanungsmechaniker auch ihre gesamten ersten Lehrjahre mitbeteiligten. Projekte der Mobilisierung waren John Deere Traktor, Honda Traktor, sowie die Mobilisierung von zwei eigenen Seifenkisten und einer Kehrmaschine.
Im Bereich der E-Mobilisierung wurden Gruppen von faltbarer E-Seifenkiste, E-Mobilisierung Betriebsfahrrad PIV-DANA, E-Transportfahrzeug PIV DANA und zwei E-Roller gebildet. Die E-Mobilisierungsgruppe Betriebsfahrrad und Transportfahrzeug PIV DANA präsentierte ihr Projekt. Bis dato stand das zum Restaurieren angefangene E-Gefährt im Keller der Firma PIV-DANA. Es musste nur der Startpunkt und ganz wenig Geld bereitgestellt werden.
In allen Gruppen spürte man den Willen und den Einsatz der Azubis, es wurde unablässig analysiert, konstruiert, geschweißt, Kabelbäume verlegt, montiert, ausprobiert, ausprobiert, und nochmal ausprobiert.

 

Vielfältig waren die Fortbewegungsmittel und Mobilitätsformen, mit denen sich die Projektteilnehmer während der Projektwoche 2018 unter Leitung von Norbert Wissenbach beschäftigten

Die Traktoren John Deere und Honda sowie die Kehrmaschine die zu den ausrangierten Fahrzeugen der Hochtaunusschule gehören, fuhren nach erfolgter Fehleranalyse und Instandsetzung bereits nach zwei Stunden. Mobilisierung und E-Mobilisierung sind Themen und Herausforderung alltäglicher Arbeit, die den Fachhorizont erweitern und Ausbildungsinhalte und ausbildungsübergreifende Inhalte in die tägliche Praxis übertragen. Die E-Mobilisten bemühten sich um Problemlösungen des E-Transportfahrzeugs der Firma PIV DANA. Aus diesem Grund müssen alte Schalt-pläne gesichtet und analysiert werden. Es müssen Kabel gezogen und auch hier ausprobiert und nochmals ausprobiert werden. Der Umgang mit Multimeter wird zum besten Freund, bedenkt man doch, dass Industrie und Zerspanungsmechaniker in der Ausbildung gerne einen weiten Bogen um E-Technik machen. Der Weg in die digitalisierte Arbeitswelt lässt jedoch auch diesen Industrie-berufen keine andere Wahl auch diese Herausforderung zu meistern. Und gemeistert haben auch das Team E-Seifenkiste ihre Herausforderungen. Im Heck der faltbaren Seifenkiste muss ein Radnabenmotor mit Steuerung und Batterie verbaut werden. Herausfordernd sind die Anpassung des Radnabenmotors an die Hinterachse. Dazu mussten Zahnräder und Achseinheit umgebaut und sogar teilweise neu angefertigt werden.

In den drei Projektgruppen der benzingetriebenen Seifenkiste wurden Achsen gefertigt, Lager verbaut, Buchsen und diverse Kleinteile gedreht und gefräst. Arbeiten, die zum Arbeitsalltag im Ausbildungsbetrieb und allgemein zum Berufsbild gehören. Um die Gruppen der E-Mobilität waren intensivste Versuche unternommen worden, den Elektrokarren zum Laufen und  Fahren zu bringen. Die gute Gruppenarbeit führte hier tatsächlich zu einer ersten Testfahrt im Forum unserer Schule. Wir waren begeistert und keiner bemerkte uns. Aufmerksamkeit war jederzeit garantiert als unsere E-Roller ihre Runden in der Schule drehten.

 

Auch die faltbare Seifenkiste muss zumindest für diesen Tag die Achse elektrisch antreiben. Bis dahin bereitete uns der Antriebsmotor große Probleme. Uns kam die Erkenntnis, dass der einzusetzende Antriebsmotor mit ca. 500W Nennleistung und 48V Antriebsspannung mit einem Freilauf versehen ist und nur zum Verbau als Radnabenmotor genutzt werden kann. Doch wären hier nicht Auszubildende im angehenden dritten Lehrjahr am Werke, müssten wir hier unsere Arbeit einstellen. Der Motor wird mit diesem Freilauf keine Achse antreiben können. Die Azubis verbanden den Freilauf starr mit dem umlaufenden Antriebsgehäuse. Die ersten Meter gehörten mir und der besten aus Metall faltbaren Seifenkiste der Welt. Naja zumindest der Besten aus Oberursel. Am Ende werden eine Schaltbrücke und die gesamte Verkabelung umgesetzt. Und wieder zeigte sich, dass Wille zum Erfolg und der Glaube daran, dass es am Ende doch  funktionieren wird, tatsächlich zum Erfolg führen. 

Das Projekt wurde nach Meinung aller Beteiligten zu einem beeindruckenden Erfolg und hat den Jugendlichen nicht nur massig Spaß gemacht, sondern auch bisher unbekannte Fertigkeiten und Erkenntnisse beschert – damit kann unsere Hochtaunusschule wieder einmal ihrem Bildungsauftrag gerecht werden, zeitgemäße berufliche Kompetenzen der heutigen Arbeitswelt zu vermitteln!