Berufliche Ausbildungsperspektiven für Migranten –
Die Firma Rolls-Royce und die Hochtaunusschule Oberursel geben jungen Flüchtlingen eine Chance

Die sprachliche, berufliche und soziale Integration junger Migranten in die deutsche Gesellschaft ist eine der großen politischen Herausforderung dieser Tage. Und dies insbesondere, weil seit einigen Jahren die Zahl der jugendlichen unbegleiteten Flüchtlinge unter 18 Jahren in Deutschland stark angestiegen ist. Nun aber müssen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft die Integration dieser neu zu uns kommenden jungen Menschen bewältigen. Die damit verbundenen Probleme sind enorm, aber bei gleichzeitiger Kraftanstrengung aller Beteiligten letztendlich doch lösbar.

Sowohl die Hochtaunusschule Oberursel als auch der Flugzeugmotorenbauer Rolls-Royce in Oberursel stellen sich gemeinsam dieser gesamtgesellschaftlichen Verantwortung! Beide zusammen haben nämlich in enger Kooperation ein Projekt ins Leben gerufen, das zehn ausgewählten jugendlichen Flüchtlingen ein mehrwöchiges Betriebspraktikum ermöglichen soll. An der Hochtaunusschule gibt es derzeit drei Integrationsklassen (InteA). Aus den Reihen dieser Schülerinnen und Schüler werden zehn ausgewählt, die zwei Voraussetzungen erfüllen müssen, um ein solches Praktikum antreten zu können: Zum einen muss ihr Fortschritt im Erlernen der deutschen Sprache soweit gediehen sein, dass sie in sprachlicher Hinsicht den Anforderungen an ein solches Praktikum gewachsen sind. Zum anderen sollten die Jugendlichen sowohl das Interesse wie auch die grundlegenden Befähigungen für einen Metallberuf mitbringen: also neben den mathematischen Grundlagen auch Freude an der Arbeit mit Metall und Lust daran, auch mal kräftig zuzupacken.

Die Niederlassung von Rolls-Royce in Oberursel (Quelle: Rolls-Royce Deutschland)

 

Ziel der zehn anvisierten Praktikumsplätze ist, die jungen Menschen, die erst vor kurzem neu nach Deutschland gekommen sind, mit den Erfordernissen und dem Ablauf der dualen Ausbildung hierzulande vertraut zu machen. Da dieses deutsche Erfolgsmodell in vielen Teilen der Welt, und insbesondere in den wirtschaftlich unterentwickelten Herkunftsländern der Geflüchteten, weitgehend unbekannt ist, wird auf diesem Gebiet Pionierarbeit zu leisten sein.

 

Pilotfunktion für dieses Vorhaben hatte die Projektwoche 2017 der Hochtaunusschule Oberursel. Hier bot die Firma Rolls-Royce ein dreitägiges Praktikum in der Metallbearbeitung für Schülerinnen und Schüler der Integrationsklassen an, um diesen die Arbeitswelt der Metallindustrie näher zu bringen. Der Kurs fand unter Leitung der Ausbildungsmeister und mit tatkräftiger Unterstützung von Auszubildenden der Firma Rolls-Royce in den Metallwerkstätten der Hochtaunusschule statt. „Qualitätssicherung ist vor allem in der Luftfahrt eine wichtige Angelegenheit“. Ein Leitspruch, der exemplarisch für die Präsentation der Ausbildungsmöglichkeiten in der Triebwerkproduktion des englischen Maschinenbauers Rolls-Royce steht.

 

 

 

 

Auf Plakatwänden informiert die Rolls-Royce AG in Oberursel über ihr Engagement in der dualen Ausbildung

 

Und ganz im Sinne dieses Wahlspruchs begann die Projektwoche für die zehn Teilnehmer mit einem Vortrag über Arbeitssicherheit und  Qualitätssicherung. Es folgten eine Vorstellung der Werkzeuge sowie ein Abriss der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Zerspanungs- und Industriemechanikern. Doch auch der Ablauf der Ausbildung und die Funktionsweise des dualen Ausbildungssystems waren Teil der „Einführung Metalltechnik“, die sich vor allem an Schüler des InteA-Zweigs der Hochtaunusschule Oberursel richtete. Um die Gruppe nicht nur mit theoretisch erworbenem Wissen nach Hause zu schicken, hatte jeder die Möglichkeit mehrere Werkstücke zu bearbeiten, darunter u.a. ein Stifthalter in Würfelform.

Zwei InteA-Schüler der HTS zusammen mit einem Ausbilder und Azubis der HTS  –  ein InteA-Schüler beim Studium von Fertigungsplänen

 

Dieses Projekt an der Hochtaunusschule war gewissermaßen ein Probelauf für ein darauf folgendes mehrwöchiges Betriebspraktikum bei Rolls-Royce. Es steht zu hoffen, dass auch das Betriebspraktikum ein Erfolg wird – im Interesse der jungen Flüchtlinge wie auch der deutschen Wirtschaft, die in den kommenden Jahren wegen des abzusehenden Fachkräftemangels auf kein Talent verzichten kann, egal woher jemand kommt, wie er heißt und welcher Religion er angehört.

 

Die Arbeit an den Maschinen will gelernt sein – und einen ersten Einblick konnte das Projekt an der Hochtaunusschule den Teilnehmer_innen vermitteln