Die sprachliche, berufliche und soziale Integration junger Migranten in die deutsche Gesellschaft ist die größte politische Herausforderung dieser Tage.

Junge Migranten in der beruflichen Bildung (Symbolbild, Quelle: Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands, CJD)

Und dies insbesondere, weil seit einigen Jahren die Zahl der jugendlichen unbegleiteten Flüchtlinge unter 18 Jahren in Deutschland exponentiell angestiegen ist. Manche von diesen Jugendlichen werden das Land früher oder später wieder verlassen, aber ein großer Teil, wenn nicht gar die Mehrheit von ihnen wird bleiben wollen. Schon, weil die zukünftigen Lebenschancen, die Berufsperspektiven und die soziale Absicherung in Deutschland ungleich besser sind als in sämtlichen Herkunftsländern der Geflüchteten, in denen Not, Armut, Krieg und Bürgerkrieg herrschen. Nun stellt sich für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft aber die Herausforderung der Integration dieser neu zu uns kommenden jungen Menschen. Die damit verbundenen Probleme sind enorm, aber bei gleichzeitiger Kraftanstrengung aller Beteiligten letztendlich doch lösbar. Wie heißt es so schön: „Wir schaffen das!

Die Werksniederlassung von Rolls-Royce in Oberursel (Quelle: Rolls-Royce Deutschland)

Und sowohl die Hochtaunusschule Oberursel auch der Flugzeugmotorenbauer Rolls Royce in Oberursel stellen sich gemeinsam dieser gesamtgesellschaftlichen Verantwortung! Beide zusammen haben nämlich in enger Kooperation ein Projekt ins Leben gerufen, das zehn ausgewählten jugendlichen Flüchtlingen ein vierwöchiges Betriebspraktikum ermöglichen soll. An der Hochtaunusschule gibt es derzeit fünf Integrationsklassen (InteA). Aus den Reihen dieser knapp 90 Schülerinnen und Schüler werden zehn ausgewählt, die zwei Voraussetzungen erfüllen müssen, um ein solches Praktikum antreten zu können: Zum einen muss ihr Fortschritt im Erlernen der deutschen Sprache soweit gediehen sein, dass sie in sprachlicher Hinsicht den Anforderungen ein solchen Praktikums gewachsen sind. Und zum anderen sollten diese Jugendlichen selbstverständlich auch sowohl das Interesse wie auch die grundlegenden Befähigungen für einen Ausbildungsberuf in der Metallbranche mitbringen: also neben den mathematischen Grundlagen auch die Freude an der Arbeit mit Metall und die Lust daran, auch mal kräftig zuzupacken. Denn dass die Arbeit als Metaller auch körperlich herausfordernd sein kann, wird jeder bestätigen, der „vom Fach“ ist.

Ziel der zehn anvisierten Praktikumsplätze ist, die jungen Menschen, die erst vor kurzem neu nach Deutschland gekommen sind, mit der Erfordernissen und dem Ablauf der dualen Ausbildung hierzulande vertraut zu machen. Da dieses deutsche Erfolgsmodell in vielen Teilen der Welt, und insbesondere in den wirtschaftlich unterentwickelten Herkunftsländern der Geflüchteten, weitgehend unbekannt ist, wird auf diesem Gebiet Pionierarbeit zu leisten sein.

Und besonders bemerkenswert ist, dass neben den Verantwortlichen in der Rolls-Royce Firmenhierarchie auch zwei Auszubildende dieser Firma, die als Berufsschüler im dritten Lehrjahr die Klasse 12 BMI der Hochtaunusschule besuchen, Niklas Seitz und Markus Teichmann, sehr aktiv und engagiert an diesem Projekt mitarbeiten.

Es waren diese beiden, die ein praxisnahes und realistisches inhaltliches Programm für dieses vierwöchige Betriebspraktikum entworfen haben, und die beide auch, zusammen mit den professionellen Ausbildern bei Rolls-Royce, den zukünftigen Praktikanten als Ansprechpartner dienen werden. Die Azubis Niklas und Markus freuen sich bereits auf diese Aufgabe und werden ihr Bestes geben, um dieses Projekt zu einem Erfolg für alle Beteiligten zu machen.

Bevor es aber soweit ist und die ersten Praktikanten bei Rolls-Royce „loslegen“ können, wird es noch etwas Zeit brauchen. Schließlich betreten alle Beteiligten damit wortwörtlich „Neuland“. Und auch in administrativer und juristischer Hinsicht sind noch viele nicht unwichtige Details zu klären wie z.B. die Frage des Versicherungsschutzes der Praktikanten sowie Sicherheitsaspekte dieser Firma, die schließlich auch in dem sehr sensiblen Bereich des militärischen Helikopter- und Flugzeugbaus tätig ist und daher bestimmten verschärften Sicherheitsbestimmungen unterliegt.

Ein erster viertägiger Probelauf jedenfalls ist bei einem Workshop bei der diesjährigen Projektwoche an der Hochtaunusschule im Juni geplant. Und wenn dies gut „läuft“, darf man auf eine zügige Umsetzung des Praktikumsprojektes noch in diesem Jahr hoffen – im Interesse der jungen Flüchtlinge wie auch der deutschen Industrie, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten wegen des abzusehenden Fachkräftemangels auf kein Talent verzichten kann, egal woher jemand kommt, wie er heißt und welcher Religion er ist.